Respekt haben und - Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber empfinden und leben.

Eine kleine alte Frau geht auf der anderen Straßenseite, mit ihren schweren Taschen in beiden Händen, mit gebeugten Rücken nach Haus. Sie ist klein, alt, zart und gebeugt, ein Zeichen von Schwäche? Nein. Denn wenn man die schwer beladene, gebeugte Frau näher betrachtet, trägt sie in sich eine unglaubliche Würde, Weisheit und unbeugsame Stärke.

Diese alte Dame war eine von den Nachbarn, die früher in der unmittelbaren Umgebung, meines Elternhauses wohnte. Ich war in etwa 8 Jahre alt, als ich die oben beschriebene Situation beobachtete. Immer wieder wurde mir beigebracht höflich zu sein. Zu helfen, wo man das Gefühl hat helfen zu können. Es hieß immer ältere Leute werden zuvorkommend behandelt. Beim einkaufen die Tür für sie zu öffnen und ihnen beim betreten des Ladens den Vortritt zu gewähren. Es war 1973 und die Ignoranz gegenüber einer solchen Situation wie oben beschrieben, war da noch nicht so verbreitet.

Respekt und Achtung zu zollen braucht auch Mut

Doch wenn man ein so schüchterne Mensch ist, wie ich es früher war, ist das umsetzen solcher Heldentaten, eine ganz schöne Herausforderung. Ich hatte Angst vor dieser Frau, denn sie hatte mich schon ein paar Mal das Fürchten gelehrt. Sie konnte einen mit ein paar scharfen Worten attackieren, wenn man wieder Mal ohne zu Grüßen an ihr vorbei lief.

Also stand ich da und beobachtete die Nachbarin, und überlegte gleichzeitig wie ich mir einen Ruck geben kann, damit die alte Dame nicht mehr so schleppen musste. Sie war so sehr mit dem tragen ihres Einkaufs beschäftigt, dass ihr noch nicht Mal aufgefallen war, das ich da stand und sie wieder nicht gegrüßt hatte. Mit einem Mal straffte ich meine Schultern, nahm all meinen Mut zusammen und ging über die Straße. Hinter ihr laufend, fragte ich sie schüchtern, ob ich ihr helfen könnte, ihre Tasche nach Hause zu tragen. Ich schlotterte wie Espenlaub und man muss mir die Angst in den Augen angesehen haben, denn als die Dame sich umdrehte und mich sah musste sie leicht schmunzeln. Sie wies mich nicht ab, sondern überreichte mir mit einem Dankeschön ihre Taschen. Sie waren wirklich sehr schwer, doch ich trug sie, nicht ohne Stolz, die Straße entlang und die Treppen hoch, in ihre bescheidene Wohnung.

Von da an war das Eis zwischen uns gebrochen. Wir hatten die Jahre danach nicht viel Kontakt, doch wenn, dann war er immer intensiv und lehrreich.

Foto: erysipel / www.pixelio.de

Respekt haben, anderen erweisen und selbst beschenkt werden.

Ich entwickelte dadurch eine richtige Begeisterung, für höfliches und zuvorkommendes Benehmen. Denn ich merkte, dass ich nicht nur gab, sondern auch was bekam. Dabei meine ich nicht die paar Groschen oder Bonbons die man mir für meine Taten schenkte, sondern den zwischenmenschlichen Austausch, der sehr viel mehr wert war. Diese Kontakte ließen mich innerlich wachsen und reifen. Sie waren für mich eine Heilung. Sie zeigten mir, das ich doch was Wert bin und sie zeigten mir das ich liebenswert bin. In solchen Situationen, lernte ich mein Herz wieder zu öffnen und meinen Mitmenschen ein Stück meiner Lebensfreude zu schenken.

Heutzutage ist Zuvorkommenheit aus der Mode gekommen. Die gesellschaftliche Struktur bringt es einfach mit sich. Türen öffnen sich vielerorts von alleine. Handys bimmeln in fast allen Taschen oder die Leute gehen mit diesen Dingern am Ohr durch die Gegend und gehen ganz so nebenbei ihren Erledigungen nach. Dabei hüpfen ihre Kinder so nebenher und das häufig gefährlich dicht an der Straße oder anderen Gefahrensituationen, oder sie ziehen ihre Kinder einfach hinter sich her. Hören über ihre E-Pads Musik oder andere Sachen und laufen dabei wie gehetzte Tiere ihren Terminen nach. Die sie fein säuberlich in ihren Terminkalendern oder in ihren Handys festgehalten haben. Sie laufen alle, jeder nur noch für sich, eingeschränkt jeder in seiner eigenen Welt und nehmen die Äußere gar nicht mehr war. Wir arbeiten zusammen und sind doch alleine, weil wir nur noch hoffen, unseren ganzen Verpflichtungen nachkommen zu können.

Achtung

Foto: Joachim Kirchner / www.pixelio.de

Anderen und sich Respekt zollen.

Wir haben keine Zeit mehr, tief in den Bauch zu atmen und wirklich loszulassen. Keine Zeit mehr sich seinen gegenüber anzuschauen und sich zu fragen wie es ihm geht, wenn er traurig ist. Keine Zeit mehr zu schauen, wie man seinem gegenüber Helfen kann, damit er wieder Mal lacht.

Wir sind eine sehr arme Gesellschaft geworden. Denn gerade das inne halten und Mal wieder tief in den Bauch atmen, um loslassen zu können, verweigern wir uns. Doch genau das brauchen wir. Wir brauchen diese wunderbaren kleinen Momente, die uns noch bleiben, um uns wieder wahrzunehmen und uns damit ein klein wenig Achtung zu schenken. Uns und unseren Körper zur Ruhe kommen zu lassen, nach unseren Bedürfnissen zu schauen und sie für uns zu erfüllen, ist wichtige Nahrung für unsere Seele. Uns selbst zu achten und gut für uns zu sorgen ist der Grundstock für die Liebe zu uns selbst und da heraus wächst automatisch, die Achtung unseren Mitmenschen gegenüber.

Wenn wir alle uns selbst wieder mehr wahrnehmen und achten. Wenn wir bereit sind uns selbst wieder kleine Geschenke zu machen, wenn wir bereit sind uns gegenseitig wieder kleine Geschenke zu machen, dann wird unsere Gesellschaft wieder lebendig. Dann darf in ihr die Sonne wieder scheinen.

Alles Liebe Anita Vejvoda

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Anita Vejvoda

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Sylvia

Guten Tag liebe Anita,
guten Tag lieber Frank,

ja ihr habe recht. Die Menschen haben untereinander heutzutage keinen Respekt untereinander. In der Großstadt, wenn ich bin und jemand an einem vorbei möchte, dann heißt es, darf ich durch ohne einen dabei anzusehen, der Blick auf den Boden gesenkt. Manchmal rufe ich nach, das man „Danke sagt“, nichts kommt zurück. Die ganze „moderne Technik“, daran hängt sich die Menschheit, macht man nicht mit, so ist man altmodisch. Hinterher fragt man sich jedoch, weshalb man krank wird. Ich selbst habe eine Handy, jedoch nur wenn mich meine Kinder erreichen sollten, wenn wir weg sind. Aber ansonsten ist es aus und ich brauche es nicht. Ich finde das Altmodische o.k, denn so sehe ich all das Schöne um mich herum und im Freien, anstatt am Fernsehen meine Zeit zu verbringen, am PC, …… Fragt man auf der Straße jemanden nach dem Weg oder anderes ….. so bekommt man keine Antwort. Es ist als ob ich mit einem Tauben reden würde. Nach dreimaligen Rufen, werden die Ohrstöpsel vom MP3 -Player aud en Ohren genommen oder auch gar nicht, da diese Person so vertieft ist in seinem Gespräch. Die Menschen untereinander haben keine Zeit mehr füreinander und immer mehr kommt von diesem Neuen auf den Markt. Im Bus sitzen die Jüngeren, auch wenn man sieht, das ein älterer Mensch oder eine Mutter mit ihrem kleinen Kind den Platz nötiger hätten als sie.
Respekt???? Es fehlt auch der Respekt gegenüber Tieren, denn auch´sie sind Geschöpfe Gottes. Der fehlt bei vielen. Man kann das Richtige der Menschheit nur vorleben. Es ist vieles auch Charaktersache.
Ich wünsche einen schönen Tag.

Viele Grüße Sylvia

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